138 Viertklässler wollen im Sommer auf die Martin-Luther-King-Gesamtschule wechseln. Das sind 22 Schüler – und damit eine Klasse mehr – als im Jahr 2015. „Obwohl wir voll sind, kommen immer noch Eltern, die ihr Kind bei uns anmelden wollen. Die Anfragen liegen im zweistelligen Bereich. Das ist der Lohn für die gute geleistete Arbeit in den vergangenen Jahren“, frohlockt Hermann Twittenhoff, stellvertretender Schulleiter. „Es gibt eine hohe Nachfrage nach gemeinsamem Lernen“, ist er überzeugt.

Die Hülser Gesamtschule und auch die Willy-Brandt-Gesamtschule starten mit je fünf Klassen. Im Stadtkern war das im vergangenen Jahr schon so. „Die Bezirksregierung hat die Fünfzügigkeit bei uns genehmigt, wir rücken daher zusammen“, sagt Hermann Twittenhoff. Die Hülser Schule platzt bekanntlich aus allen Nähten. „Für das nächste Jahr geht das noch, sollten wir dauerhaft fünfzügig bleiben, muss sich hier räumlich etwas verändern“, unterstreicht der stellvertretende Schulleiter.

Kalt erwischt hat es das Gymnasium im Loekamp. Hier sind die Anmeldezahlen im Vergleich zum Vorjahr deutlich eingebrochen: von 116 auf 83 Schüler. Warum nur drei Klassen zustande kommen, kann sich Schulleiter Joachim Posanski nicht erklären. „Wir hatten vor drei Jahren einen ähnlichen Einbruch, konnten uns aber wieder steigern. Wir hatten festgestellt, dass wir den Eltern noch verständlicher machen mussten, welche Vorteile das System gebundener Ganztag im Zuge von G8 hat. Und das hat damals funktioniert. Wir sahen uns auf dem richtigen Weg“, so Joachim Posanski. (Anmerkung der Redaktion: G8 steht für das Abitur nach zwölf Schuljahren).

Ursachenforschung

Die Ursachenforschung, die seine Kollegen und er in den vergangenen Tagen betrieben haben, sei noch wenig aussagekräftig. „Wir haben zum Beispiel erfahren, dass neun Kinder von der Grundschule Sickingmühle zum Halterner Gymnasium wechseln. Traditionell kommen viele Schüler von dieser Schule zu uns“, meint Joachim Posanski.

In Gesprächen mit Eltern habe er in der Vergangenheit auch öfter herausgehört, dass sie den Wechsel zum Gymnasium nicht unproblematisch sehen, da sie für ihre Kinder keine guten Perspektiven sähen, sollten sie in dieser Schulform scheitern. „Eltern befürchten, dass ihre Kinder von uns nicht zu den Gesamtschulen oder der Realschule wechseln können, weil sie voll sind. Sie fürchten, dass nur der Wechsel zur Hauptschule oder in eine Nachbarstadt bleibt“, gibt Joachim Posanski wieder.

Auf die 83 Kinder, die nach den Sommerferien an seine Schule wechseln, freut er sich aber aufrichtig: „Wir haben tolle Anmeldungen, viele Kinder haben Bombengutachten und sind richtig leistungsstark.“
Eine Klasse weniger wird es auch an der benachbarten Ernst-Immel-Realschule (EIR) geben. Birgit Lange, kommissarische Schulleiterin, sieht darin aber keine Besonderheit, da die Zügigkeit regelmäßig von Jahrgang zu Jahrgang wechsle. Nach dem Sommer hat die EIR drei fünfte Klassen, vier sechste, drei siebte, fünf achte, drei neunte und drei zehnte. „Hinzukommen noch vier Klassen der Günter-Eckerland-Realschule, die zu uns wechselt“, erklärt Birgit Lange. Dass der fünfte Jahrgang nur drei Klassenräume brauche, habe daher auch seine Vorteile.

Im Gespräch mit unserer Zeitung macht Schuldezernentin Dr. Barbara Duka deutlich, dass im nächsten Jahr die Verteilung schon wieder ganz anders aussehen kann: „Dieser Jahrgang ist geburtenschwach. In den nächsten Jahren haben wir wieder mehr Schüler.“ Insgesamt wechseln 567 Kinder die Schule, 613 waren es 2015.
Dass sich an der Hauptschule an der Wiesenstraße bislang nur 14 Kinder angemeldet haben, sei nicht überraschend. „Die Zahl steigt erfahrungsgemäß bis zum Schuljahresende noch an“, so Dr. Barbara Duka.

Der Artikel erschien im Original unter: http://www.marler-zeitung.de/staedte/marl/45768-Marl~/GiL-verliert-Klasse-Gesamtschulen-stehen-bei-Viertklaesslern-hoch-im-Kurs;art996,1747982