Projektwoche der Martin-Luther-King-Schule endet mit der Installation eines Schmetterlingsprojektes                        

Ungewöhnlich ruhig war es in der Aula der Martin-Luther-King-Schule in der letzten Stunde vor den Ferien. Nathanael aus der Klasse 10 C berichtete über die Lebensgeschichte der Kinder Korn. Heinz Korn, geboren am 12.02.1936 in Dorsten, 1938 mit seiner Familie nach Belgien geflohen, von dort am 30.10.1942 nach Auschwitz deportiert. Am 03.11.1942 ermordet in den Gaskammern von Auschwitz. Er war Marler Bürger und mit seiner Schwester Pia eines der 38 Kinderschicksale, das von Schülern der Martin-Luther-King-Schule in einer bewegenden Veranstaltung der ganzen Jahrgangsstufe 10 vorgestellt wurde.

Eine Woche zuvor waren 20 Jungen und Mädchen der Jahrgangsstufe 10 und 11 zur Gedenkstättenfahrt in Auschwitz. Die Schüler hatten sich an einem Seminartag auf die Fahrt vorbereitet. Insbesondere über das Schicksal der Kinder im Nationalsozialismus wollten sie mehr erfahren. Dabei war es hilfreich, dass ein Kontakt zum Schmetterlingsprojekt der jüdischen Akademie in San Diego hergestellt werden konnte. Es hat sich zum Ziel gesetzt, weltweit für jedes der 1,5 Millionen getöteten jüdischen Kinder einen Schmetterling zu bemalen.

An zwei Tagen informierten sich die Schüler im Konzentrationslager über die Gräueltaten der Nazis und bekamen so wichtige, aber oft auch bedrückende Detail- und Hintergrundinformationen zum Vernichtungslager. Sie besuchten dort unter anderem die Kinderbaracke und erfuhren so unmittelbar von den brutalen und unmenschlichen Versuchen an Kindern durch den KZ-Arzt Mengele. Sie entdeckten auch den Namen von Heinz Korn aus Marl in den meterlangen Statistikbüchern, die im Museum die Namen der Millionen Opfer des Holocaust erfasst haben. 

Am Ende des ersten Tages war zu spüren, dass alle Teilnehmer tief bewegt waren. Sie verfolgten mit großer Ernsthaftigkeit die Schilderungen der Museumspädagogin. „Wir haben über den Holocaust schon im Unterricht gesprochen, aber zu sehen unter welch grausamen Bedingungen die Menschen hier gelebt haben, ist ganz was anderes, man findet dafür keine Worte“, versuchte Gülay aus der Klasse 10C ihre Sprachlosigkeit zu erklären. 

Auch der Besuch im Stammlager II in Auschwitz Birkenau verbunden mit den Schilderungen der Museumspädagogin über die unglaubliche Systematik der Vernichtungsmaschinerie hinterließ eine große Betroffenheit bei den Schülern und rief gleichzeitig viele Fragen hervor. 

„Für uns ist es wichtig, die Schüler mit diesen Fragen nicht allein zu lassen“, betonte der begleitende Lehrer Norbert Keller, „deshalb haben wir uns nach der Fahrt im Rahmen einer Projektwoche mit den Teilnehmern zusammengesetzt und überlegt, wie wir unsere Erfahrungen weitergeben können“. Das ist den Schülern überzeugend gelungen. 

Sie haben sich in der Projektwoche mit den Lebensgeschichten der Marler Kinder, Heinz und Pia Korn und von Norbert Abrahamsohn auseinandergesetzt und sich darüber hinaus noch mit den  Biographien von 35 weiteren Kindern befasst. Für jedes Kind wurde ein Schmetterling gestaltet. Diese Schmetterlinge werden als Symbol des Widerstandes und der Hoffnung in der Schule dauerhaft präsentiert. Darüber hinaus haben die Schüler die Eindrücke und Erkenntnisse der Gedenkstättenfahrt in einer Ausstellung zusammengetragen, die ebenfalls in der Schule gezeigt wird. Nach den Ferien werden die Fahrtteilnehmer auch den übrigen Klassen die Ausstellung erläutern und über die Bedeutung der Schmetterlinge informieren.

Dass durch die Gedenkstättenarbeit die Schüler in besonderer Weise erreicht werden, war in der Abschlussveranstaltung der Projektwoche zu spüren. Dies erlebten auch die Sozialdezernentin Claudia Schwidrik-Grebe und die Fachbereichsleiterin für Kultur und Gestalten, Jennifer Radscheid, die als Gäste teilnahmen und sich von den Vorträgen der Schüler beeindruckt zeigten. „Für uns ist es wichtig, dass auch zukünftig die Gedenkstättenarbeit finanziell unterstützt wird“, machte die Schulleiterin Brigitte Parras deutlich und dankte den Schülern ausdrücklich für ihr Engagement. 

Das Schmetterlingsprojekt:

Das Schmetterlingsprojekt wurde 2006 vom Lehrer Jan Landau und der Künstlerin Cheryl Rattner Price in San Diego ins Leben gerufen. Es richtet sich an Schülerinnen und Schüler und will über die Gefahren von Hass und Fanatismus aufklären. Ziel ist es, 1.5 Millionen Schmetterling weltweit zu bemalen – einen für jedes Kind, dass während des Holocaust umgekommen ist.

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