“Spielen wir jetzt endlich?”

Von Thomas Braucks

LENKERBECK. Eins steht fest: Der nötige Biss fürs Training ist an der Martin-Luther-King-Gesamtschule vorhanden. Kaum ist die Vereinbarung zwischen dem Deutschen Fußballbund (DFB) und der Schule unterschrieben, bestürmen die Schüler bereits Sportlehrer Stefan Schmitz.

“Gehts los? Machen Sie die Halle auf? Können wir jetzt endlich Fußball spielen?”, fragt D-Jugend-Kicker Ali energisch nach. Nun mal langsam – so schnell wird das Projekt an der Martin-Luther-King-Gesamtschule nun doch nicht angepfiffen.

Erst im Februar nimmt der DFB-Schulstützpunkt in Marl die Arbeit auf. Gestern wurde die Kooperation mit dem Verband erst einmal offiziell besiegelt. Die MLK-Gesamtschule ist erst die vierte Schule in Westfalen, die dieses Privileg genießt.

Offensive für den Fußball: DFB-Präsident Theo Zwanziger will talentierte Kicker auch in den Schulen fördern.

Offensive für den Fußball: DFB-Präsident Theo Zwanziger will
talentierte Kicker auch in den Schulen fördern.

Angestoßen hat das Projekt DFB-Präsident Theo Zwanziger – er fordert eine Offensive für Fußball in den Schulen. Die Idee: Nicht nur in den Vereinen und den etablierten DFB-Stützpunkten sollen Kinder und Jugendliche trainieren – auch an den Schulen will der DFB künftig junge Kicker fördern. Der Fußball- und Leichtathletik-Verband-Westfalen (FLVW) verfolgt das Projekt mit Hochdruck.

Manfred Deister, Vorsitzender des Verbandsjugendausschusses: “Unser Ziel ist es, in jedem Fußballkreis in Westfalen eine Schule als Stützpunkt zu gewinnen.” Im Kreis Recklinghausen ist dies die Marler Martin-Luther-King-Gesamtschule. “Wir hoffen, dass dabei nicht nur der Fußball gewinnt, sondern auch die Schule. Sie kann mit dem Fußball sicher auch ihr Profil schärfen”, sagte Deister.

Schulleiter Klaus Jahn und seine Sportlehrer unterstützen das Unternehmen engagiert. Es betrifft zunächst die Schüler der fünften und sechsten Klassen sowie der siebten und achten. Sie werden in den nächsten Monaten “gesichtet”. MLK-Lehrer Carsten Kreuz, Trainer am DFB-Stützpunkt Bochum, wird interessierte Schüler ganz genau beobachten.

Technik, Schnelligkeit, Spielverständnis, aber auch Fairness – alles spielt bei der Entscheidung eine Rolle. Jeweils 15 Fußballer aus den Jahrgangsstufen fünf/sechs und sieben/acht wird Kreuz auswählen: Sie werden anschließend besonders gefördert – und im besten Fall auch zum Training am DFB-Stützpunkt Recklinghausen eingeladen.

So werden Talente am besten gefördert, glaubt Alexander Richter, beim FLVW Koordinator der DFB-Stützpunkte: “Im Idealfall trainiert ein Jugendlicher in der Schule, an einem Stützpunkt und dazu noch in seinem Verein.”

Das Angebot gilt nicht nur den Jungs – das Stützpunkttraining an der Schule ist genau so offen für fußballbegeisterte Mädchen. Ein Ende der Partnerschaft zwischen Verband und Gesamtschule ist fürs Erste nicht geplant. “Von unserer Seite aus läuft das Projekt unbefristet. Wir stehen voll dahinter”, so Manfred Deister vom FLVW. So wie viele Schüler, die gestern Mittag am liebsten sofort die Fußballschuhe übergezogen hätten.

Aber auch die besten Kicker warnte Stützpunkt-Koordinator Alexander Richter. Wer meint, seine Schullaufbahn jetzt vor allem mit Fußball bestreiten zu können, der täuscht sich: “Nur Fußball spielen und von einer Profi-Karriere träumen, das läuft bei uns nicht. Auch die Noten müssen stimmen!”